Mittwoch 24.05.2006
Den größten Schwachsinn aller Zeiten habe ich heute beim Kinderturnen gehört.

Eltern, die die Neugier ihrer Kinder unterstützen, ihnen auf Fragen nicht mit "Das ist einfach so" antworten und den Kleinen nach deren Bedürfnissen Anregungen geben, sind daran Schuld, dass es in den Schulklassen so große Leistungsunterschiede gibt.

Denn schließlich ist es ja nicht nötig, dass ein Kind schon vor der Grundschule bis 10 zählen kann oder in der Lage ist, seinen eigenen Namen zu schreiben.

Was soll denn das Kind dann noch in der Schule lernen?

Tja, das weiß ich auch nicht. Aber ich habe ja mit Schule und Vorschulbildung auch nichts am Hut. Irgendwo habe ich aber mal mitbekommen, dass Kinder beim "Kieler Test" schon zwischen Farben unterscheiden, durchaus bis 7 zählen (und nicht nur aufsagen), Formen unterscheiden und Bildergeschichten in die richtige Reihenfolge bringen sollen. Und da sind sie so um die fünfeinhalb bis sechs Jahre alt.

Klar, kein Kind muss das können, es erleichtert aber einiges. Und ich unterschreibe auch, dass Eltern ihre Kinder nicht drillen sollen, bestimmte Sachen zu erlernen. Aber sie sollten ihrem Kind die Möglichkeiten bieten, sich frei zu entfalten und wenn das heißt, dass das Kind mit 28 Monaten schon einen Haufen Buchstaben erkennt, bis 10 zählt (z.B. die Gitterstäbe am Bett) oder sich englische Lieder übersetzen läßt, dann will das Kind das so und nicht die Eltern.

Ich habe hier nun mal eine pfiffige kleine Maus rumrennen. Soll ich jetzt auf die Fragen "Was ist das, Mama?", "Wie funktioniert das?" und "Zeig mir, wie das geht!" nur noch mit "Dafür bist Du noch zu klein!" antworten, damit ich nicht daran Schuld bin, dass die Leistungsunterschiede in den Schulklassen so groß sind?

Vielleicht sollten einfach mal einige Leute mehr mit ihren Kindern reden, sie nicht als kleine Dummerchen abstempeln, nur weil sie ihre Gefühle und Bedürfnisse noch nicht klar verbalisieren können. Und vielleicht sollten sie ihren Kindern mal etwas zutrauen, beim selbständigen Aussuchen des Kekses aus der Dose angefangen bis zum freien Erobern der Kletterlandschaft beim Turnen. Und vielleicht würde es schon helfen, dem eigenen Kind mit Respekt zu begegnen und seine Wünsche zu respektieren.

Und nur ganz am Rande: "Jeder hat das Recht auf Bildung" - auch wenn er erst zwei und etwas ist.
17:22 Uhr | 4 Kommentare | Dies und Das


1. Von Frau ... äh ... Mutti http://frau-mutti.designblog.de/ (24.05.2006 21:33 Uhr)

Ich glaube, es hilft auch, wenn man sich verdeutlicht, dass Lernen für Kinder garnix Schlimmes bedeutet.
Tsts, so was aber auch :-)


Unsere (Dorf-)Grundschule vertritt ebenfalls die Aussage: Die Kinder müssen gar nix können, wenn sie in die erste Klasse kommen.

Faszinierenderweise werden Kann-Kinder auf Herz und Nieren, will heißen: Zahlen- und Buchstabenwisen geprüft.


Ach, heikles Thema. Ich habe zwei "Überflieger", die mit fünf eingeschult wurden, bin als Eislaufmutter verschrieen. Obendrein habe ich einen "Zurückgebliebenen", der mit sieben eingeschult wird und bin eine nachlässige Mutter.
Mittlerweile gebe ich nichts mehr auf die Meinung von Mitmüttern, da die meisten mit ihren Aussagen nur eigene Unzulänglichkeiten kaschieren wollen.


LG an Dich und die pfiffige kleine Maus. Bitte verbiete ihr, die Gitterstäbe zu zählen, das ist wirklich unfair, mein siebenjähriger kann mit Ach und Krach nur bis zehn zählen ;-)


2. Von tanja (25.05.2006 20:43 Uhr)

Und Du bist mittlerweile eine nachlässige Eislaufmutter geworden? ;-)
3. Von Anka (02.06.2006 17:14 Uhr)

Man braucht wohl mit allen irgendwie "anderen" Kindern wahrscheinlich ein ziemlich dickes Fell. Ich lasse meine hochbegabte grobmotorische Niete von Sohn gerne vor dem Fernseher verkümmern, anstatt ihn zur Bewegung anzuhalten, warum sonst wäre er solch ein kleiner Mehlsack. Gleichzeitig habe ich bis zum Exzess mit ihm lesen und rechnen geübt, damit er`s bis zur Schule auch ja kann! In Wirklichkeit haben wir ihn mit viel Krankengymnastik überhaupt erst dahin gebracht, wo er körperlich jetzt steht und das Andere, das hat er sich einfach selbst beigebracht. Okay, ich gestehe, ich habe ihm verraten wie die Zahlen und Buchstaben heißen, als er mich danach gefragt hat.
Schuldig? Sicher! Immer!?!
4. Von margret (14.10.2007 19:13 Uhr)

Liebe Übermuttis,
selbstverständlich habe ich ebenso wie alle verantwortungsbewussten Mütter meiner damals 3-jährigen Tochter das Alphabet beigebracht und sie meine (einfachen) Einkaufsliste schreiben lassen. Freilich nur in Blockschrift - man will sich ja nicht überfordern... Mit 5 las sie nebst zwei weiteren 5-Jährigen den Freunden im Kindergarten vor.
Freilich etwas holprig...
In der Volksschule ist es trotzdem nicht langweilig geworden, denn da gibt es neben dem zugegebenermaßen dürftigen Lehrstoff ja noch die " gemeine Lehrerin", den "depperten Raphael", die "falsche Natalia"...
Abschließend möchte ich noch betonen, dass meine Tochter nicht! hochbegabt ist.
Wir alle (Oma, Opa, Tanten, Onkel, ich...) versuchen nur - und das völlig freiwillig und stressfrei-soviele kindliche Fragen als möglich zu beantworten.
Und nun mal ganz ehrlich:Ich bin stolz darauf, dass mein " Experiment" nun schon zum 2. Mal aufgegangen ist!
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