Sonntag 27.02.2005
Während meines Studiums an der FH Münster habe ich neben dem schnöden Ansammeln teilweise unnützen Wissens auch zwei Jahre Improvisationstheater gespielt. Wir hatten Auftritte bei verschiedenen Gelegenheiten und ich habe vor 150 Leuten ein Lied gesungen, dessen Melodie ich vorher nicht kannte und dessen Text ich mir beim Singen ausgedacht habe.

Das Improtheater hat mir eine Menge gebracht, vor allem Selbstbewußtsein, Menschenkenntnis und den einen oder anderen Einblick in lesbische Partnerschaften, die nicht anders funktionieren als Heterobeziehungen, aber leider habe ich seitdem nicht wieder auf der Bü hne gestanden.

Das letzte Impromatch, das ich in Gelsenkirchen gesehen habe ist nun auch schon wieder ein paar Tage her und wenn ich diese an Impro angelehnten Sendungen im TV sehe, halte ich mir eher die Ohren zu als den Bauch vor Lachen.

Am Freitag war es dann aber nach langer Zeit mal wieder soweit: eine Improshow stand auf dem Programm. Ich habe schon den ganzen Tag wie bekloppt gehibbelt und mich so richtig kindisch auf einen lustigen Abend gefreut.

Und ich wurde auch nicht enttäuscht, denn die Jungs der ImproVisite haben es wirklich gut drauf (und singen auch besser als ich).

Das Publikum musste allerdings erst mit dem Improvisationstheater warm werden. Klar, in einem katholischen Pfarrsaal ist ja auch generell nicht jedem nach Lachen. Aber das Problem wurde schnell behoben. Den eigenen Vornamen sollte das Publikum nennen, aber nur drei Leute haben sich getraut: Holger, eine Frau hinter uns und ich. Im zweiten Anlauf und unter Zuhilfenahme des eigenen Persos haben dann aber auch die anderen Leute schnell den Mut gefunden, nicht einfach nur konsumierend auf den Stühlen zu sitzen, sondern mit zu machen.

Denn Impro lebt vom Mitmachen.

Das doch eher konservative und stille Publikum kam dann aber bei "Ne bergische Jung" voll auf seine Kosten. Mit leisen Tönen, ein bißchen "Ufftata" und sehr viel Witz taute der närrische Diakon auch die letzten Gniesgnatze auf, bevor die Improvisite wieder zurück auf die Bühne kam.

Und die gaben alles: da wurde depressiv auf einer Parkbank die dicke Paula gefüttert, in nur einer Sekunde eine Tchiboszene gespielt und im Stil einer Oper die Geschichte einer Kaninchenfelljacke besungen.

Die einzelnen Spiele oder Disziplinen des Theatersports habe ich natürlich wiedererkannt, aber die Art und Weise wie sie von der ImproVisite umgesetzt wurden war sagenhaft. Und da Impro wie gesagt vom Mitmachen lebt, haben Holger und ich fleißg reingerufen und den Schwierigkeitsgrad für die Aufgaben auf der Bühne hin und wieder erhöht. Oder ist es einfach, eine mexikanische Tischkreissäge, die Kaffee kochen kann, nur mit Hilfe fremder Hände zu erraten?

Nach knapp zweieinhalb Stunden lag ein wunderbar witziger Abend hinter uns und ich bin mal wieder richtig heiß auf eigene Improspielereien geworden. Zu Wohnheimzeiten habe ich mich sogar mal darin versucht, einem kleinen Stamm Interessierter Improspielen beizubringen, was leider an Sprachproblemen (eine Russin, ein Finnin, zwei Italienerinnen, zwei Deutsche und zwei Jungs, deren Nationalität ich jetzt nicht mehr weiß) und Zeit nach ein paar Treffen scheiterte.

Da der Gitarrenkurs leider ausgefallen ist und ich auf Bauchtanz doch nicht so viel Lust habe, wäre das doch mal wieder eine tolle Sachen. Muss sich nur noch eine Gruppe finden, die noch Nachwuchs braucht. Mal gucken, was sich da ergibt...
22:44 Uhr | kommentieren | Dies und Das


Kommentare abonnieren

Feed abonnieren