Sonntag 05.08.2007
Die Kleine hatte um 5:30 Uhr Hunger, schlief nach dem Fläschchen aber nicht mehr wie gewöhnlich ein und brabelte in einer Lautstärke, die nicht an ein Baby, sondern an einen betrunkenen Schotten erinnerte und auch durch Oropax kaum gedämpft wurden.

Doch zu müde zum Aufstehen, blieb ich mit Lena einfach im Bett. Ignorierend, dass jemand neben mir komatös ratzte.

Gegen kurz vor sieben gesellte sich auf leisen Pfoten die Große zu uns. Sie legte sich ans Fußende und bespaßte ihre kleine Schwester.

Ich war mittlerweile wieder eingedöst, wurde nun aber wieder von den glucksenden Hicksern und Freudepipsern der Kleinen, die sich freute, dass Hannah nun schon so früh mit ihr spielte, geweckt. Der Mann an meiner Seite schlief den Schlaf der Gerechten.

Lena steckte sich, obwohl sie vor zwei Stunden gegessen hatte, die Finger so tief in den Mund, wie sie es nur kurz vorm Hungertod macht, also schlurfte ich in die Küche, machte ein Fläschchen, zog bei der Großen die Rollos hoch und legte mich wieder zu Lena ins Bett. Das Fläschchen wurde nur mäßig dankbar entgegengenommen. Aus dem Bett zu meiner Rechten drangen immer noch eindeutige Schlafgeräusche.

Gerade als ich dabei war, mit dem Fläschchen in der Hand in der unbequemsten Position überhaupt, einfach wieder weg zu dimmern, spielte direkt unter unserem Badezimmerfenster (unnötig zu erwähnen: Das Badezimmer liegt direkt neben dem Schlafzimmer, sowohl Badezimmerfester als auch die Türen von Bad und Schlafzimmer waren auf) eine Drei-Mann-Combo mit Glockenspiel, Querflöte und Trommelwirbel auf.

Nur um unseren Nachbarn zu wecken, der was auch immer für einen Rang in der Schützenbruderschaft bekleidet.

"Wach?" wurde der Nachbar mit schelmischem Gesichtsausdruck vom Trommler gefragt, als er im gelben Bademantel an die Tür kam und den Herren einen Umschlag zusteckte.

"Ja, natürlich Ihr Idioten! Es ist Sonntagmorgen, 7:45Uhr, ich habe eine beschissene Nacht hinter mir und bin hundemüde. Was bildet Ihr Euch ein, einen halben Stadtteil aus den Federn zu holen, weil Ihr einen einzigen Mann wecken wollt? Ruft Ihn doch einfach an!", wollte ich runterbrüllen, blieb aber einfach nur mit offenem Mund, gelähmt vom gelben Bademantel und der Tatsache, dass die Nachbarin von der anderen Seite begeistert mit dem Fotoapparat in der Hand durch die Gegend sprang und "Darf ich?" jauchzte, am Fenster stehen. Ich wollte doch zu gerne wissen, wer so bescheuert ist, sich sonntagmorgens freiwillig zum Abschuss freigibt, indem er laut musizierend durch ein Wohngebiet zieht.

Aus dem Schlafzimmer drang "Gebt mir ein Gewehr" von Männe, der eben noch im Tiefschlaf lag.

Hannah erklärte mir mit diesem langsamen Augenaufschlag, den man sonst nur von wohlwollenden Politessen kennt, wenn man abgehetzt zum Auto im Parkverbot kommt: "Ist nicht schlimm, Mama, die haben nur ein kurzes Fest gefeiert!"

Na, dann ist ja alles in Ordnung.

Ich hasse Schützenfeste.
08:45 Uhr | kommentieren | Dies und Das


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